Gedankenblätter

Ich stehe an der Bushaltestelle. Der Wind bewegt die Blätter in den Bäumen. Er tanzt mir um die Nase und ich sauge die frische Luft ein. Ich liebe diese Stimmung.

Heute haben wir endlich mal keinen Nebel mehr, es hat nachts geregnet und durch die Wolkenfetzen blinzelt hin und wieder der Mond auf mich herab.

Meine Gedanken sind welke Blätter. Das Leben rüttelt an ihnen und reißt sie schließlich mit sich. Sie schwirren umher, einige fallen auf den Weg. Andere sammeln sich in Haufen, werden immer in der selben Ecke hin und her geblasen. Und einige fliegen hoch auf in die Luft.

Auf einem letzten Höhenflug.

Zitate von Charon dem Kanaligator

Wer kennt die Geschichte von Monty Spinnerratz? Ein schönes Puppenspiel von der Augsburger Puppenkiste. Die Ratte Monty erlebt in der New Yorker Kanalisation ein großes Abenteuer. Mit dabei ist Charon, der Kanaligator, ein Aligator, der in Kanal 237 lebt. Hier einige seiner lustigsten Weisheiten:

„Wer niemals Zeit zum Plaudern hat, erfährt auch nicht so manchen Rat.“

„Ist dieses lebhafte Leben nicht lebenswert?“

„Was wir nicht wissen soll’n, das soll’n wir nicht wissen woll’n.“

„In Manhatten sind wir längst nicht mehr. Auf jeden Fall sind wir da, wo wir mit Sicherheit nicht sind, wenn wir uns wo anders befinden.“

Vergebliches Sehnen

Mit einem Blinzeln in meinen Augen, tränenfeucht, schlucke ich die Unruhe, die mich erfasst, bis in den Bauch. Mein Herz zusammengeknüllt wie ein Liebesbrief aus nicht gefundenen Worten, die der Schreiber verzweifelt verwirft.

Was soll ich noch sagen? Meine Gedanken verhallen im leeren Raum ohne Boden für Resonanz zu finden.

Vergebliches Sehnen…

Das Wohnzimmer schweigt

Das Wohnzimmer schweigt,
Knarrt das Pakett?
Leicht setze ich meinen Schritt
Und horche …

Die Stimme ist stumm,
Das Leid abstrakt,
Nur im Gram verzerrten Gesicht
Zu lesen …

Nekronomicon,
Die Seele bleibt,
Der Fährmann nimmt nur was du bringst,
Hinüber …

Du erwachst vom Schlaf,
Traumverhangen,
Die Kerzen warten auf dein Licht,
Aufs Brennen …

Wir zünden sie an,
Licht im Dunkel,
Der Hoffnungsschimmer in der Nacht,
Bis du kommst …

Titelbild: 6 der Schwerter aus dem Santa Muerte Taro von Fabio Listrani

Creative Space

Der Mitarbeiter-Bereich und links Beispiele und Test-Töpferwaren

Wir treten in den großzügigen, hellen Raum. Auf den Tischen stehen Tongefäße voll mit Pinseln, daneben liegen Schwämme, Gläser mit klarem Wasser und an jedem Platz liegt eine Matte. Links an der Wand werden verschiedenste Arten von Töpferwaren ausgestellt, alle ohne Glasur. Rechts stehen auf einem treppenartigen Regal Plastikflaschen und Tuben.

Das Farbregal und ein paar der Töpferwaren

Die Idee: suche dir eine Schüssel, einen Teller, eine Kanne oder Vase aus und gestalte sie selbst. Wir sind begeistert und beschließen, zwei Schüsseln als Geburtstagsgeschenk für Jens zu gestalten.

Die Mitarbeiterin des Ladens führt uns an einen runden Tisch. Die Sonne scheint herein. Die Atmosphäre ist freundlich und anregend zugleich. Karin lässt sich Papier und Schere geben, ihre Idee ist es, eine Schlange in die Schüssel zu bringen.

Karin am Werk

Aber was mache ich? Welche Farben will ich verwenden? Wie sollen sie zusammen spielen? Und wie gestalte ich die Schüsssel? Ich möchte etwas Lebendiges nicht klar Abgegrenztes machen. Irgendwie soll es einen Übergang von Dunkel unten nach Hell oben geben, vielleicht Flammen- oder Gras-ähnlich. Und es ist sicher nicht einfach, mit den Pinseln filigrane Strukturen zu malen.

Dann wird mir bewusst, dass es ja auch ein Innen gibt. Meine zweidimensionale Vorstellung zerplatzt wie eine Seifenblase in meinem Kopf und ich versuche, ein dreidimensionales Bild vor meinem inneren Auge aufzubauen, das das Zusammenspiel vom Inneren mit dem Äußeren der Schüssel wiedergibt. Karin meint, dass es doch schön wäre, wenn sich das Innere von außen abhebt und vielleicht sogar hervorleuchtet.

Ich greife den Gedanken auf und mache mich an die Farbauswahl.
Es ist nicht so einfach, die Farben zu gestalten. Am Ende weiß man nicht wirklich, wie das Ergebnis sein wird. Werde ich es schaffen, den Pinsel so zu führen wie ich es mir vorstelle?

Wie werden die Farben?

Möchte man eine gut gesättigte Farbe haben, muss man drei Schichten übereinander auftragen. Helle Farben sollte man zuerst aufbringen, die können dann mit dunklen Farben abgedeckt werden. Obwohl ich das weiß, nehme ich als erstes Schwarz. Ich schaue auf meine unberührte Schüssel und denke, dass das jetzt nicht so sinnvoll war. Also beginne ich doch lieber mit dem hellsten Blau – auf die Gefahr, dass mir das Schwarz eintrocknet, bis ich soweit bin, es benutzen zu können.

Barbaras Schale

Meine Schale

Es ist wie so oft: man trifft eine Entscheidung, geht den ersten Schritt in diese Richtung und schon merkt man, dass man so nicht auf gute Weise zum Ziel kommt. Es ist schon ein bisschen Mut nötig, die Entscheidung gleich zu revidieren und nochmal von Vorne anzufangen. So geht es mir auch manches mal mit meinen Entscheidungen im Beruf. Ich sage, dass ich etwas machen möchte, stelle aber bald fest, dass es so gar nicht meinem Wesen entspricht. Leider kann man da oft nicht so einfach sagen, dass man sich falsch entschieden hat. Oder sollte man genau dies vielleicht viel öfter tun?

Am Ende als ich zum dunkelsten Bereich meiner Schüssel komme, ist das Schwarz ein kleines bisschen angetrocknet, aber das meiste der Farbe kann ich noch verwenden.

Karins Schale

Karins Schale

Wir erleben ein paar schöne, kreative Stunden. Das Rohergebnis gefällt uns und wir sind neugierig auf die gebrannten Schüsseln.

Werden die Farben so herauskommen wie wir uns das vorgestellt haben?

Creative Space

Creative Space in Aarhus

Haikus, Tankas und andere Textfetzen

Ich schreibe gerne kurze „Gedichte“. Eigentlich sind es eher kleine Textfetzen, die einer Stimmung Ausdruck geben oder eine Situation erfassen. Diese Texte sind formlos. Mal länger mal kürzer.

Manchmal lasse ich auch einfach nur meine Gedanken fließen, sammel ein paar Wörter, die mir in den Sinn kommen und mache daraus einen Text:

Steintosen, klappern, Himmelspeitsche, Riesenschnabel, Rollen, Würgegriff, Herzknoten, Die Liebenden, umschlungen, Sehnsuchtsgesang, Achterband, Wortgewalt

Steintosen

Die Steine rollen in den Wellen, als der Wasservogel aus den Traumtiefen auftaucht und die Schwingen ausbreitend seinen Sehnsuchtsgesang erklingen lässt. Wortgewaltig steigt er in die Höhe und sein Schweif durchschneidet die Luft wie eine Himmelspeitsche.
Die Töne aus seinem Riesenschnabel umschlingen die Liebenden und verbinden sie mit dem Achterband in einem Herzknoten. Das Steintosen umhüllt ihr Schweigen.

Bei diesem Gedicht muss ich dazu sagen, dass ich bei dem Wort Steintosen an einen Strand ganz im Süden der dänischen Insel Langeland denke, der aus großen faustdicken Kieseln besteht durch die die wilden Wellen rollen.

Im Augenblick beschäftige ich mich ein bisschen mit Haikus und Tankas und lasse mich durch die eingeschränkte Form inspirieren. Wer mehr über diese japanische Gedichtsform erfahren möchte, dem sei die folgende Webseite ans Herz gelegt: https://haiku.de/
Hier nun einige meiner Haikus und Tankas.

„Der Winterwind rauscht.
Die letzten Blätter fallen.
Der Herst ist vorbei.

In warme Decken gehüllt
trinke ich Tee am Feuer.“

Dieses Tanka hält sich an die Anzahl der Silben (5-7-5 7-7). Es ist in zwei Teile geteilt, wobei der zweite Teil etwas im Gegensatz zum ersten steht. Es enthält den Bezug auf eine Jahreszeit und ich habe versucht, keine Wörter doppelt zu verwenden. Ich mache bei Artikeln eine Ausnahme. Ich mag die Texte lieber, wenn sie richtige Sätze sind.

„Auf schwarzer Straße
gleitet der Lichtstrahl entlang –
spring fort kleines Reh“

Dem ersten Haiku in meinem Leben bin ich in meiner Kindheit begegnet. Es war das kürzeste Gedicht, das ich kannte. Mir ist erst vor ein paar Jahren klar geworden, dass es sich um ein Haiku handelt.

„Um mein Brunnenseil
rankt eine Winde sich,
gibt mir Wasser, Freund.“
(Frau ) Chiyo-ni

Ich mag diese Gedichtsform. Ungeschlagen in der Kürze ist jedoch mein Mini-Gedicht. Auch wenn es streng genommen nicht unter Lyrik eingestuft werden würde, wie mir eine Studentin der Literatur erklärt hat. Und dennoch, es ist mehr dahinter, als man beim ersten Lesen vielleicht denken mag…

„Nur drei Worte.“

Zusammen halten, was zusammen gehört

Jeder kennt es, die Suche nach den richtigen Knöpfen. Habe ich in meiner Knopfkiste genug Knöpfe von genau der einen Sorte? Wie sortiere ich sie, damit ich schnell das finde, was ich suche? Bei vielen Einzelknöpfen ist es nie einfach, die richtige Methode zu finden. Hier mal drei Möglichkeiten, die wir gefunden haben um unsere Knöpfe zu „organisieren“:

Die kleinen Dinge

Vor einigen Tagen wollte ich endlich den fehlenden Knopf an meiner Bluse ersetzen. Mein Nähzeug ist in einem kleinen altmodischen Kästlein untergebracht, dass man seitlich aufklappen kann. Allerdings passt die Knopfsammlung da nicht rein. Statt dessen habe ich einen Spielekarton umfunktioniert, in dem ich die Knöpfe in verschiedenen kleinen Döschen sortiert hatte. Da meine Kinder von meinem Nähzeug reichlich Gebrauch machen, fand ich einiges anders vor, als ich es erwartet hatte. Ich wühlte und kramte, bis ich endlich alle Kästchen gefunden hatte und dann wühlte und kramte ich in den beiden Kästchen herum.

Irgendwann hatte ich es dann geschafft, die richtige Nadel, den richtigen Knopf, die Schere und den richtigen Faden zusammen zu suchen. Nebenbei hatte ich noch zwei drei Dinge umsortiert und aus der dritten Kiste mit den Sticksachen ein altes Buch mit hässlichen Stickmustern entsorgt. Nadel und Faden hatte ich auf den Tisch im Flur gelegt. Nach einigem hin- und hergelaufe, hielt ich die Schere in der Hand. Doch wohin hatte ich den Knopf gelegt, der auserwählt war um meine Bluse zu zieren? Ich ging nochmal zurück zur Knopfsammlung. Aber da lag er nicht mehr. Schließlich erinnerte ich mich, dass ich ihn auf meinen Schreibtisch liegen gelassen hatte, als ich noch nebenbei etwas in meinen Chat getippt hatte.

Da stand ich also endlich mit allem Notwendigen, und beim Annähen des Knopfes grübelte ich über die Zeit nach, die ich beim Suchen verloren hatte. Wie kommt es, dass ich mich von so vielen kleinen Dingen ablenken lasse? Ich wollte nur einen Knopf annähen. Statt dessen habe ich sortiert, gechattet und ausgemistet.

Diese Zerstreutheit zieht sich durch mein ganzes Leben. Beim Arbeiten komme ich von Hölzchen auf Stöckchen, werde von einem wichtigen Anruf oder einer wichtigen Nachricht unterbrochen und verliere meinen Arbeitsfaden. Zu Hause möchte ich mich an meinen Computer setzen um zu schreiben, statt dessen versuche ich, meine Webseite neu zu gestalten. Es kommen immer wieder kleine Dinge, die mich vom eigentlichen Ziel ablenken.

Auch heute beim Schreiben dieser Zeilen gab es kleine Dinge, die mich fast vom falschen Weg abgebracht hätten. Zum Glück wusste ich schon worüber ich schreiben will. Also setzte ich gleich meine kleine Lektion aus der Knopfgeschichte um. Statt mich ablenken zu lassen, ließ ich die Computer-Updates links liegen, ignorierte meinen Hunger und blieb bei meinem kleinen Ding: diese Zeilen über die kleinen Dinge zu schreiben.

Der Seidenschal

Ich besitze einen Seidenschal. Das Schöne an Seide ist, dass die Farben so intensiv leuchten. Ich liebe diesen Schal, aber er hat ein Manko. Bei den Fransen an den Enden lösen sich immer die Kettfäden. Ein Faden bleibt am Reissverschluss hängen und zieht sich raus. Er hängt unschön herum und ich muss ihn abschneiden. Die nächsten Fäden werden locker und es ist nur eine Frage der Zeit, dass sich der Stoff weiter auflöst.

Diesem Umstand mache ich nun ein Ende. Ich habe Urlaub und Zeit und meine Tochter ist da, dir mir mit ihren Nähtipps und Ideen weiter hilft.

Das Leid mit dem Einschlagen meines Stoffes

Ich schneide die Fransen vom Ende meines Schals ab und möchte nun den Stoff einschlagen. Da der Stoff sehr glatt ist, verrutscht er immer wieder obwohl ich die umgeschlagenen Stellen mit Stecknadeln fixiere. Schließlich habe ich die Schnauze voll und beschließe, eine Falte in den Stoff zu bügeln. Aber bügel mal eine Falte in einen Seidenstoff in einem Abstand von 0,5cm vom Rand… Karin hat eine gute Idee: „Probier doch mal, die Kante über einen Karton zu bügeln.“ Gesagt, getan. Ich schnappe mir eine große Karteikarte, rücke meinen Stoff gerade, lege die Karteikarte darauf und bügel den Rand des Stoffes über die Papierkante. Funktioniert besser als gedacht.

Über Pappe bügeln

Das Leid mit der Spule für den Unterfaden

Für den blauen Stoff suchen wir einen bronzefarbenden Faden heraus, der perfekt zu der Weberei passt. Natürlich ist dieser Faden noch auf keiner Nähmaschinenspule. Also mühe ich mich ab, den Faden auf die Spule zu bringen. Nur der Start misslingt. Immer wieder rutsch der Faden weg, statt sich aufzuwickeln.

Hält es endlich?

Karin nimmt mir die Spule aus der Hand, knotet den Faden an den anderen Faden, der schon auf die Spule gewickelt ist und schon ist das Problem gelöst.

Zusammen geknotet

Das Leid mit der Fadenspannung

Ich fluche vor mich hin. Wie bekomme ich jetzt dieses leidige Thema „Fadenspannung“ bei meiner Nähmaschine hin. Karin nimmt ein Stück Papier zur Hand und näht ein paar Stiche auf das Papier. „Auf Papier kann man besser sehen, ob die Fadenspannung stimmt.“
Um meine Maschine endlich besser kennen zu lernen, nähe ich einfach mal drei Reihen.
Die Schraube für die Unterfadenspannung drehe ich jeweils um eine 8tel Drehung weiter und die Oberfadenspannung ändere ich während der Nähreihe von 7 bis 4.

Ober- und Unterfaden mit verschiedenen Fadenspannungen

Schlussendlich entscheide ich mich für eine Stellung des Unterfadens, wo ich einigermaßen ordentlich mit Oberfadenspannung 6 arbeiten kann. Eigentlich ist mir 6 noch zu fest, aber wenn ich die Unterfadenspannung noch mehr verringere, dann funktioniert gar nichts mehr.

Jetzt ist mein Schal fertig. Die Fransen sind weg, die Enden sind umgenäht und bei meinem Spaziergang heute Mittag umschmeichelt die Seide meinen Hals und hält den Wind ab ohne dass mich die lästigen herausgezogene Webfäden nerven.