Vergebliches Sehnen

Mit einem Blinzeln in meinen Augen, tränenfeucht, schlucke ich die Unruhe, die mich erfasst, bis in den Bauch. Mein Herz zusammengeknüllt wie ein Liebesbrief aus nicht gefundenen Worten, die der Schreiber verzweifelt verwirft.

Was soll ich noch sagen? Meine Gedanken verhallen im leeren Raum ohne Boden für Resonanz zu finden.

Vergebliches Sehnen…

Das Wohnzimmer schweigt

Das Wohnzimmer schweigt,
Knarrt das Pakett?
Leicht setze ich meinen Schritt
Und horche …

Die Stimme ist stumm,
Das Leid abstrakt,
Nur im Gram verzerrten Gesicht
Zu lesen …

Nekronomicon,
Die Seele bleibt,
Der Fährmann nimmt nur was du bringst,
Hinüber …

Du erwachst vom Schlaf,
Traumverhangen,
Die Kerzen warten auf dein Licht,
Aufs Brennen …

Wir zünden sie an,
Licht im Dunkel,
Der Hoffnungsschimmer in der Nacht,
Bis du kommst …

Titelbild: 6 der Schwerter aus dem Santa Muerte Taro von Fabio Listrani

Gefangen

09.02.2022

Ich bin in mir selbst gefangen,
sehne mich nach der Berührung
mit einem anderen Geist.

Wenn ich meine Gefühle beschreibe,
wenn ich versuche,
mein Erleben erlebbar zu machen,
klingen meine Worte
hohl und oberflächlich.

Ich stelle mir vor,
wie es sein könnte
im Gefühl und in den Gedanken
zu verschmelzen.

Zwei Seelen die sich treffen,
umeinander tanzen
und sich schließlich ineinander weben.

Wo sie sich berühren
explodieren die Farben,
die Umarmung ist ein Durchdringen
und das getrennte Erleben
wird ein gemeinsames.

In stillem Gedenken

Für meine Tante Waltraut

Wir lachen und laufen
den Hang hinab
durch feuchtes Gras
in dem der Tau
als Wasserperlen
in der Morgensonne leuchtet.
Übermut.

Unser Ziel ist das Haus
der Töpferin.
Auf jedes Kind
wartet ein Geschenk
von unserer Tante.
Eine Tasse mit unseren Namen.
Freude.

Die Erinnerungen steigen
mit dem Dampf
auf aus meiner Tasse.
In stillem Gedenken
lausche ich
auf die Stimmen der Vergangenheit.
Trauer.

Haikus, Tankas und andere Textfetzen

Ich schreibe gerne kurze „Gedichte“. Eigentlich sind es eher kleine Textfetzen, die einer Stimmung Ausdruck geben oder eine Situation erfassen. Diese Texte sind formlos. Mal länger mal kürzer.

Manchmal lasse ich auch einfach nur meine Gedanken fließen, sammel ein paar Wörter, die mir in den Sinn kommen und mache daraus einen Text:

Steintosen, klappern, Himmelspeitsche, Riesenschnabel, Rollen, Würgegriff, Herzknoten, Die Liebenden, umschlungen, Sehnsuchtsgesang, Achterband, Wortgewalt

Steintosen

Die Steine rollen in den Wellen, als der Wasservogel aus den Traumtiefen auftaucht und die Schwingen ausbreitend seinen Sehnsuchtsgesang erklingen lässt. Wortgewaltig steigt er in die Höhe und sein Schweif durchschneidet die Luft wie eine Himmelspeitsche.
Die Töne aus seinem Riesenschnabel umschlingen die Liebenden und verbinden sie mit dem Achterband in einem Herzknoten. Das Steintosen umhüllt ihr Schweigen.

Bei diesem Gedicht muss ich dazu sagen, dass ich bei dem Wort Steintosen an einen Strand ganz im Süden der dänischen Insel Langeland denke, der aus großen faustdicken Kieseln besteht durch die die wilden Wellen rollen.

Im Augenblick beschäftige ich mich ein bisschen mit Haikus und Tankas und lasse mich durch die eingeschränkte Form inspirieren. Wer mehr über diese japanische Gedichtsform erfahren möchte, dem sei die folgende Webseite ans Herz gelegt: https://haiku.de/
Hier nun einige meiner Haikus und Tankas.

„Der Winterwind rauscht.
Die letzten Blätter fallen.
Der Herst ist vorbei.

In warme Decken gehüllt
trinke ich Tee am Feuer.“

Dieses Tanka hält sich an die Anzahl der Silben (5-7-5 7-7). Es ist in zwei Teile geteilt, wobei der zweite Teil etwas im Gegensatz zum ersten steht. Es enthält den Bezug auf eine Jahreszeit und ich habe versucht, keine Wörter doppelt zu verwenden. Ich mache bei Artikeln eine Ausnahme. Ich mag die Texte lieber, wenn sie richtige Sätze sind.

„Auf schwarzer Straße
gleitet der Lichtstrahl entlang –
spring fort kleines Reh“

Dem ersten Haiku in meinem Leben bin ich in meiner Kindheit begegnet. Es war das kürzeste Gedicht, das ich kannte. Mir ist erst vor ein paar Jahren klar geworden, dass es sich um ein Haiku handelt.

„Um mein Brunnenseil
rankt eine Winde sich,
gibt mir Wasser, Freund.“
(Frau ) Chiyo-ni

Ich mag diese Gedichtsform. Ungeschlagen in der Kürze ist jedoch mein Mini-Gedicht. Auch wenn es streng genommen nicht unter Lyrik eingestuft werden würde, wie mir eine Studentin der Literatur erklärt hat. Und dennoch, es ist mehr dahinter, als man beim ersten Lesen vielleicht denken mag…

„Nur drei Worte.“

Tor der Seelen

17.07.2021

Er lächelt und scherzt,
spricht hier, hilft da,
keiner sieht
das Zerren
in seinem Herz,
den Knoten
in seinem Bauch.
Die Gedanken –
sie sind nicht hier.
Nicht wirklich.
Sie sind bei ihr.
In der Ferne.
In seiner inneren Welt
liegt ein silberner See.
Aus ihm
steigt sie auf
überzogen
von silbernem Glanz.
Und seine Hand
streichelt sie zart.
Ein Tor der Seelen.
Er wünscht
sie würde es spüren.
Sein Liebe erwidern.
Aber sie lächelt
und scherzt,
spricht hier, hilft da.
Und er sieht
das Zerren
in ihrem Herz,
das nicht ihm gilt.

Riss in der Raumzeit

03.07.2021

Durch einen Riss in der Raumzeit spüre ich deinen Körper.
Deine Hand streicht zart über den Bogen meiner Brüste
und ich spüre dich an meinem Bauch.

Leise klingt dein kleines Lachen in meinem Ohr
während ich von der Welle der Erregung überspült werde.

Wenn ich doch nicht wüsste,
dass sich dies alles nur in meinem Kopf abspielt.
Die Imagination ist zu real, deine Lust zu präsent.

Der Schmerz, dass es nicht wirklich ist,
treibt mir Tränen der Trauer in die Augen.